Schlussbetrachtung

4. Schlussbetrachtung

Zurückgehend auf die anfangs aufgestellten Hypothesen kann gesagt werden, dass:


  • die Alterssuizidrate in Japan geringfügig höher liegt als in Deutschland, jedoch auch insgesamt höhere regionale Schwankungen aufweist. Eine Überprüfung der individuellen moralischen Abwägung des Suizids aufgrund einer Religions-zugehörigkeit hat sich als schwierig erwiesen und sollte in weiteren, zukünftigen Arbeiten genauer erörtert werden.

  • die Unterscheidung beim Suizid in altruistische Motive in Japan und egoistische Motive in Deutschland nicht genau vorgenommen werden konnte. Eine allgemein-gültige Aussage kann nicht getätigt werden, da die erhobenen und zur Verfügung stehenden Daten dies nicht zulassen. Gleichwohl sind Tendenzen erkennbar, die durch die sozialpolitische Bedingungen der Länder geprägt sind: in Japan wird bei der Pflege Älterer der Familie eine höhere Eigenleistung abverlangt als in Deutschland. Somit kann die Alterssuizidmotivation in Japan häufiger altruistische Züge inne haben als die in Deutschland, um Familienmitglieder nicht die eigene Pflege aufzubürden Dies wäre ebenfalls ein Aspekt, der intensiverer Untersuchung bedürfte.

  • die Suizidrate in Ballungsgebieten in Japan niedriger ist, in Deutschland allerdings keine eindeutige Aussage dazu getroffen werden kann, da die Daten zu nahe beieinander liegen. Generell muss hier auch auf die höhere Heterogenität der Alterszusammensetzung in deutschen Bundesländern hingewiesen werden, während japanische Präfekturen teils eine weniger starke Streuung aufweisen (z.B. Okinawa und Akita).

Die Bearbeitung der Thematik des Alterssuizids in Deutschland und Japan hat gezeigt, dass ernstzunehmende Ursachen im individuellen, aber auch gesamtgesellschaftlichen Rahmen existieren und in Zukunft einer erhöhten Aufmerksamkeit bedürfen, die sich vor allem auf die Entwicklung und die Eindämmung möglicher ansteigender Suizidzahlen konzentrieren muss. Bedingt durch den demographischen Wandel und vor dem Hintergrund der Festsetzung und Verbreitung der neuen Formen der sogenannten Nicht-regulären-Beschäftigung und der working poor ist von einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation und somit mit einer Zunahme der Suizidzahlen bei älteren Menschen zu rechnen. Interessant wären deshalb Untersuchungen zur Gesundheit und dem Suizidverhalten in der relativ jungen Entwicklung auf dem japanischen Arbeitsmarkt der sogenannten Nicht-regulär-Beschäftigten, deren sozioökonomischer Status relativ niedrig anzusetzen sei. Aber auch Aufschlüsselungen des Suizidverhaltens von Empfängern staatlicher Geld- und Sachleistungen, wie z.B. Sozialhilfe und ähnlichen Bezügen, würden eventuell mehr Aufschluss über den Zusammenhang zwischen dem Suizid und dem sozioökonomischen Status liefern.

Nichtsdestotrotz muss beachtet werden, dass trotz einer möglichen ansteigenden Suizidrate oder der zunehmenden absoluten Suizidziffer, die vorsätzliche Selbstbeschädigung einen relativ geringen Stellenwert bei den Todesursachen annimmt. Hauptsächliche Mortalitätsursachen bilden im höheren Alter trotz allem Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Somit sind Szenarien ganzer suizidgefährdeter Seniorengeneration übertrieben und wären nicht konform mit den Daten der Todesstatistiken.

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